Die Anfänge der Glashütte Noelle & von Campe

Mehr zum Thema: Wagemut und Kapitalmangel – Die Anfänge der Boffzener Glasindustrie 1866-1874

Werksansicht von 1879 Foto: Elisabeth Pophal

Am Anfang stand eine lokale Initiative. 1866 gründeten der Fabrikant Friedrich Bartling, der Sägewerksbesitzer Heinrich Schmidt und der Porzellanproduzent Heinrich Witte eine „Glashütte nebst Wohnungen für Fabrikarbeiter“. Fachleute der Region wurden angeworben, um mit moderner Technik Hohlglas herzustellen. Die 1864/65 eröffnete Bahnlinie Altenbeken-Höxter-Kreiensen erlaubte die Zufuhr von Soda, Quarzsand, Feldspat, Kohle und auch Gussformen. Der Absatz florierte, doch es fehlte an Kapital. Die Gründer schieden rasch aus dem Unternehmen aus, an ihre Stelle traten neue Gesellschafter: 1871 August von Campe, 1874 Heinrich und August Noelle. Seither firmiert die Hütte unter dem Namen „Noelle & von Campe“.

Gemälde der Ofenhalle von Noelle & von Campe 1881 von Th. Müller Quelle: Archiv Samtgemeinde Boffzen

Diese Unternehmer dachten groß, ihr Glas vermarkteten sie national und international. Die Lüdenscheider Firma Noelle stellte Metallwaren her, in Kombination mit Glas wurden daraus lukrative Konsumgüter. Seit 1870 gefertigte Siphons verbanden einen Stahlaufsatz mit einer präzise geformten Zapfflasche für kohlensäurehaltiges Sodawasser. Taschenflaschen und Salzstreuer, Parfümflacons und Vorratsgläser erlaubten Umsatzsteigerungen. 1891 wurde ein Vorratsglas mit gewundenem Schraubverschluss patentiert. Es folgten glatt geschliffene Konservengläser und zahlreiche neue Medizinalgläser. Daneben lief das Massengeschäft mit Trinkgläsern oder Milchflaschen.

1920er Jahre: Siphonflaschen werden zu einem lukrativen Produkt der Glashütte und bis nach Amerika exportiert, Foto (l.): Stefanie Waske, Archiv Glasmuseum Boffzen

1907 arbeiteten etwa 160 Beschäftigte vor Ort, die meisten zugewandert und in Boffzen ansässig geworden. Noelle & von Campe zahlte ordentliche Löhne, betrieb einen Sparverein, Krankenkasse und Konsumverein. Die meist sozialdemokratischen Glasarbeiter gründeten eigene Vereine, hatten teils Werkswohnungen oder konnten bescheidene eigene Häuser errichten. Noelle & von Campe war vor dem Ersten Weltkrieg ein national wie international erfolgreiches, patriarchalisch geführtes Familienunternehmen.

Johann Albrecht, Herzog zu Mecklenburg, Regent des Herzogtums Braunschweig, besuchte 1909 die Glashütte Noelle & von Campe. Hören Sie, was die Zeitung damals berichtete! Es liest Stefanie Waske.

Foto (oben): Archiv Glasmuseum Boffzen