Die Georgshütte

Mehr zum Thema: Wie Preßseidel in der Boffzener Georgshütte entstanden

Außenansicht der ehemaligen Georgshütte der Familie Becker Foto: Stefanie Waske

Seit 1989 liegt die Georgshütte der „G. Becker & Co“ still. Sie wurde 1872 von Ludwig Wilhelm Becker (1839 – 1913) errichtet. Das Werk ergänzte seine Glashütten in Neuhaus (Tafelglas) und Rottmünde (Hohlglas) um Pressglas: Das wurde in den 1870er Jahren Mode, imitierte teures Glas an Höfen und im Bürgertum. Die „Hohl- und Pressglasfabrik und Dampfschleiferei“ setzte auf Maschinenkraft und Glasveredelung per Hand. Ein eigener Gleisanschluss sorgte für günstige Kohlezufuhr.
Preiswerte Waren dominierten: Bierseidel begleiteten den Aufstieg der Brauereien und der Gaststätten, ab 1906 produzierte man auch Einweckgläser. Trinkgläser, Vasen, Schalen sowie Medizinglas rundeten
das Sortiment ab. Die Georgshütte beschäftigte seit den 1880er Jahren ca. 80 Arbeiter im Mehrschichtbetrieb. Die Firma baute für ihre Facharbeiter Häuser, das ländliche Umfeld erlaubte ihnen Nutzgärten und Kleintierzucht.

Blick auf die Georgshütte und rechts oben im Bild die Arbeiterhäuser, undatierte Aufnahme. Foto: Archiv Samtgemeinde Boffzen

Der Erste Weltkrieg war ein Einschnitt: Kohlemangel führte 1917 gar zu einem mehrjährigen Zusammengehen mit dem lokalen Wettbewerber Noelle & von Campe. In den frühen 1920er Jahren und während der Weltwirtschaftskrise lag der Betrieb wiederholt still. Er profitierte danach jedoch von der wirtschaftlichen Erholung, dann von der Rüstungskonjunktur des NS-Regimes: Die Hütte steigerte nach Erweiterungsbauten Anfang der 1940er Jahre die Zahl ihrer Beschäftigten, die Einberufenen wurden durch Zwangsarbeiter aus dem besetzten Osteuropa teils ersetzt.
Gebrauchsglas war auch nach 1945 begehrt: Die Georgshütte konnte rasch weiterproduzieren, insbesondere die Biergläser verkauften sich bundesweit gut. Der Anteil der Handarbeit blieb hoch, zumal seit den 1960er Jahren vermehrt dekorative und teils farbige Vasen- und Schalenserien entstanden – „bel Mondo-becker design“ sollte die letzte sein. Die Betriebsschließung beendete ein zentrales Kapitel der Boffzener Glasgeschichte.

Karl Heinz Hoffmann hat mit seiner Glasmacherpfeife einen Posten Glas aus dem Ofen entnommen, Foto: Detlef Knop