Wachstum durch Glasverpackungen – Noelle & von Campe 1950-1980

Mehr zum Thema: Selbstbedienung als Marktchance. Glasverpackungen während der 1950er und 1960er Jahre

Angestellte und Geschäftsführung 1967 (vorne: 6. von links stellv. Geschäftsführer Gord von Campe, 3. von rechts Geschäftsführer Hans-Joachim Hirsch) Foto: Elisabeth Pophal

Noelle & von Campe stand nach dem Krieg relativ gut da: Keine Zerstörungen, keine Demontagen, ein gutes Verhältnis zur britischen Besatzungsmacht, ein aufnahmefähiger Markt, moderne Maschinen aus der NS-Zeit und ausreichend Kapital. Harte personelle Schnitte in der Firmenleitung waren dennoch erforderlich. Die Familie von Campe zog das Geschäft wieder stärker an sich, Rudolf von Campe als Betriebsleiter, Gord von Campe als Verkaufsleiter und späterer Geschäftsführer.

Noelle & von Campe deckte in den 1950er Jahren ein äußerst breites Sortiment ab. 1959 produzierten 270 Beschäftigte Getränkeflaschen und Konservengläser, Lampen und Trinkgläser, zunehmend auch Glasverpackungen. Doch der Wettbewerb nahm zu, auch durch die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft 1957. Die Folge war eine Doppelstrategie. Einerseits wurde die Automatisierung beherzt vorangetrieben: Individual Section-Maschinen erlaubten rasche und parallele Produktion. Die Glaswannen wurden modernisiert, Öl, später dann Gas, ersetzten Kohle als Energieträger.

(l.) Werbeanzeige aus den frühen 1960er Jahren Foto: Freundeskreis Glas, (r.) Tchibo-Aktionsglas von Noelle & von Campe Foto: Stefanie Waske

Anderseits konzentrierte sich Noelle & von Campe immer stärker auf Sichtverpackungen, Folge der rasch voranschreitenden Selbstbedienung. Angebote für Fisch, Wurst und Sauergemüse dominierten die Produktion, doch auch Markenartikelfirmen wie Langnese, Eduscho oder Tchibo orderten Glas aus Boffzen. All dies bedeutete kontinuierliche Schichtarbeit, auch ein Ende der nicht mehr wettbewerbsfähigen Mundbläserei.
Die Belegschaft wurde internationaler, die Exportquote stieg. Bankkredite und Unterstützung der öffentlichen Hand wurden gerade in Krisen unverzichtbar. Die Gesellschafter stockten ihre Einlagen wiederholt auf. Als Gord von Campe Neujahr 1981 als Geschäftsführer ausschied, erwirtschafteten 224 Beschäftigte mehr als neun Millionen DM Umsatz (1950: 940.000) und erzielten einen Gewinn von 650.000 DM (1950: 125.000). Die Glashütte hatte sich als Spezialist für Glasverpackungen neu ausgerichtet.

Produktion auf engem Raum – Luftbild von Noelle & von Campe, frühe 1970er Jahre Foto: Elisabeth Pophal