Die Villa der Familie von Campe

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Die Villa von Campe als Mietshaus, 2016 Foto: Stefanie Waske

Die Familie von Campe stammt aus einem Hildesheimer Adelsgeschlecht, dessen Hauptsitz in Deensen bei Stadtoldendorf lag. August von Campe (1835-1896) war seit 1871 Mitinhaber der Glashütte im Brückfeld. Als junger Mann war er in die USA ausgewandert, hatte dort als Offizier im Bürgerkrieg gekämpft. Er heiratete erst spät und lebte mit seiner Frau Emmy und sechs minderjährigen Kindern im Brückfeld, ehe er 60-jährig starb.

1909 erwarb Fabrikbesitzer Otto von Campe sein erstes Auto der Luxusklasse, das andere zeigt eine Aufnahme aus dem Jahr 1928. Fotos: Elisabeth Pophal

Die Geschäftsführung der Glashütte übernahm der frühere Prokurist Max Eugen Noelle (1861-1946). Augusts ältester Sohn Otto (1876-1936) studierte derweil an der TH Aachen Maschinenbau, absolvierte seinen Militärdienst und trat 1901 in die Firma ein. Die Villa der Familie von Campe entstand 1905, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Wohnsitz seines Kompagnons Max Eugen Noelle. Es war eine typische Fabrikantenvilla, geräumig und repräsentativ. Otto von Campe lebte hier gemeinsam mit seiner Frau Luise und ihren sechs Kindern.

Links August von Campe, rechts sein Sohn und Nachfolger Otto von Campe, Fotos: Elisabeth Pophal

Mit dem Ersten Weltkrieg begann eine schwierige Zeit: Otto wurde 1914 als Reserveoffizier eingezogen. Noelle & von Campe fehlten Aufträge und Kohlen. Auch nach Kriegsende lag die Hütte wiederholt still. Im September 1931 musste sie Insolvenz anmelden. Die Gebrüder Noelle stiegen 1932 wegen finanzieller Schwierigkeiten aus dem Unternehmen aus. Es begann nun ein mehrjähriges Ringen um dessen Erhalt, das durch Ottos Schlaganfall 1932 und nachfolgendes Siechtum nochmals erschwert wurde. 1934 gelang jedoch der Neustart des Werkes dank Kapital von Holzmindener Unternehmen und privaten Unterstützern aus Höxter und Boffzen.

Familienfoto von 1927, von links, Eyla, Gord, Ehefrau Luise, Erika, Rudolf, Otto-Wilhelm, Ehemann Otto von Campe und die jüngste Tochter Ursula vor Mutter Luise Foto: Elisabeth Pophal

Nach Ottos Tod wurde die Villa weiterhin von Luise von Campe mit ihren Kindern bewohnt, ihr Sohn Rudolf zog mit seiner Familie ein. Luise von Campe starb 1965, Rudolf 1966. Das Haus fiel dann an dessen Sohn Burckhard von Campe, der es vermietete.

Außenansicht der Villa von 1914 Foto: Elisabeth Pophal