Ausflug des Freundeskreises Glas zur Immenhausener Ausstellung „Glas aus Böhmen“

Erhard Siebert, Vorsitzender des Immenhauser Fördervereins (Mitte), führt durch die Sonderausstellung. Karl August Fricke (v.l.), Karsten Siegel, Ursula Weiner und Hedda Hey betrachten die ausgestellten Stücke. Fotos: Walter Waske

Am Sonntag, den 18. Juni 2023, ging es zum ersten Tagesausflug dieses Jahres zum Glasmuseum Immenhausen. Neunzehn Glasfreunde hatten sich eingefunden, um die schon kurz vorgestellte Ausstellung „Glas aus Böhmen – Historismus und Jugendstil“ gemeinsam zu besuchen.

Präsentiert wurden über hundert Gläser aus der Privatsammlung eines guten Bekannten, präzise beschrieben und in den Vitrinen geschmackvoll arrangiert. Sie entstanden in zwei noch heute bestehenden Firmen, der Gräflich Harrachschen Glasfabrik Neuwelt und Ludwig Moser in Karlsbad. Gut nachvollziehbar war der Geschmackswandel im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die bemalten, vergoldeten und geschliffenen Gläser zierten Häuser und Tafeln vor allem großbürgerlicher Haushalte in ganz Europa.

Die Glasfreunde Karin Sporleder (v.l.), Rosmarie Eckebrecht (verdeckt) und Gerda Henke in der Dauerausstellung im Glasmuseum Immenhausen.

Die Boffzener Glasfreunde wurden durch Erhard Siebert, dem Vorsitzenden des Immenhauser Fördervereins, herzlich begrüßt und kundig durch die Ausstellung geleitet. Er führte Geschichte und Bedeutung der vielgestaltigen Vasen und Gläser aus dem fernen Böhmen vor Augen. Doch auch die Glashütte in Immenhausen stand im Bannkreis der dortigen Glaskünstler.

Sie wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, 1946 dann von dem aus dem schlesischen Penzig vertriebenen Richard Süßmuth übernommen. Er stand für geschmackvolles und schönes Gebrauchsglas – und hatte damit Erfolg. Ab 1947 produzierten bereits 170 meist ebenfalls heimatvertriebene Arbeiter in Immenhausen Glaswaren. Für sie musste Wohnraum geschaffen werden, im kleinen Örtchen Immenhausen bedeutete dies Arbeit und wirtschaftlichen Aufschwung. Die Handwerksware verkaufte sich bis in die 1960er Jahre gut, dann wandelte sich der Geschmack und die Konkurrenten boten vermehrt maschinell hergestelltes Glas an. Richard Süßmuth setzte weiter auf handwerklich hergestelltes Glas, musste 1970 jedoch aufgeben. Er übergab seine Hütte der Belegschaft, die unter den schwierigen Marktbedingungen weiter produzierte. Es folgten Investoren von außerhalb, doch 1996 musste die Immenhauser Glashütte ihren Betrieb schließlich einstellen.

Mehr zum Museum, der Ausstellung und dem alle drei Jahre vergebenen Immenhäuser Glaspreis finden sich auf der Website www.glasmuseum-immenhausen.de. Für die Boffzener Glasfreunde war das ein schöner Ausflug – und sie empfehlen anderen, sich ebenfalls auf den Weg nach Immenhausen zu machen.

Pokal aus Böhmen – ein besonders schönes Stück der Sonderausstellung.

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